Die Verwichtelung der Linken

Seit Monaten tobt nun die Diskussion um die montäglichen, von Lars Mährholz organisierten Mahnwachen. Sie ermüdet zunehmend, denn die Herren Querfrontler von links – Pedram Shahyar, Florian Kirner, Diehter Dehm, Konstantin Wecker, Peter Wahl – haben sich eine Haltung zu Recht gelegt, mit der sie mit allem durchkommen, und gegen die sich nur schwer argumentieren lässt: Was ihnen nicht ins Bild passt, wird zum „bedauerlichen Einzelfall“ erklärt. Ob in Koblenz für die antisemitischen und vom zaristischen Geheimdienst erfundenen „Protokolle der Weisen von Zion“ geworben wird (1) oder in Bautzen ein besonders engagierter Volksgenosse erklärt, er sei „bekennender Nationalsozialist“ (2) – es ist ihnen gleichgültig, denn die Gesamtbewegung sei progressiv und emanzipatorisch. Weil ich auf dieses Spielchen nun keine Lust mehr habe, möchte ich mich noch einmal mit einem Mann auseinandersetzen, den jene nicht so einfach zum „bedauerlichen Einzelfall“ erklären können, weil sie mit ihm zusammengearbeitet oder ihn doch wenigstens gegen Kritik verteidigt haben.

Die Rede ist natürlich von Ken Jebsen. Er ist geschickter Propagandist, leicht wahnsinnig anmutender Agitator, prägt mit seinem „alternativen“ Nachrichtenportal KenFM die „Bewegung“ wie kein Zweiter – und steht politisch rechts, so klar, so dreist, dass mensch sich schon wundern muss, wie es Menschen wundern kann, wenn Herr Jebsen – als sei es das Normalste auf der Welt – politische Gegner als „Tumorzellen“ bezeichnet (3). Dafür wird er nun vom Genossen Kirner sachlich und sehr konstruktiv kritisiert. Die betreffende Aussage, so der O-Ton des besser als Prinz Chaos 2 bekannten Musikers, sei ein – ihr werdet es nicht glauben – „bedauerlicher Einzelfall“, der sich nicht wiederholen dürfe. Nun, sie ist zwar sicherlich „bedauerlich“, besonders für linke Querfrontler, deren Strategie auf diese Weise gründlich unterlaufen wird, aber von „Einzelfall“ kann keine Rede sein.

2011 wurde Ken Jebsen wegen einer Aussage, die sich wie eine Holocaustleugnung las, aber wohl anders gemeint war, als Radiomoderator entlassen. Die Kränkung, als Antisemit dazustehen, scheint ihn damals genötigt zu haben, eben diesen Vorwurf im Nachhinein zu bestätigen, jedenfalls produzierte er ein Video mit dem Titel „Zionistischer Rassismus“, in dem er siebenundfünfzig Minuten lang Israel mit dem dritten Reich gleichsetzt (4). Moment! – ich höre den Shitstorm rauschen… Ob er sich davon nicht längst distanziert hat? Nein, bestenfalls hat er sich von Pedram Shahyar, dem zu eben diesem Zweck ins Boot geholten Quotenlinken, die politische Absolution erteilen lassen (5). Aber Ken Jebsen hat besagtes Video mit bald hunderttausend Aufrufen nicht aus dem Netz genommen, bis heute nicht. Ebenso wenig hat er von seiner liebsten „Gastkommentatorin“, Evelyn Hecht-Galinski, die auf KenFM in Bezug auf Israel regelmäßig in die selbe Kerbe schlägt, Abstand genommen. Die alberne Inszenierung einer Distanzierung darf also getrost als wertlos betrachtet werden.
Nun ist aber jede Gleichsetzung Israels mit dem dritten Reich antisemitisch, weil sie, da sachlich falsch, den deutschen Faschismus drastisch verharmlost, und zugleich den jüdischen Staat dämonisiert und vollständig delegitimiert, was schlicht bedeutet, erneute Verfolgung, erneute Ermordung der dann wieder in die Diaspora gezwungenen Juden billigend in Kauf zu nehmen, wenn nicht herbeizusehnen.

Nicht nur gegen „Zionisten“ wettert Propagandist Jebsen, auch die Demokratie missfällt ihm:
„Demokratie löst nicht alle Probleme. (…) Es gibt auch andere Möglichkeiten, und da orientiere ich mich auch an der Natur. Stellt euch mal vor, Zugvögel würden die Reise nach Afrika demokratisch organisieren. Die kämen nur bis Sylt! (…) Die Vögel fliegen nach Afrika, ohne lang rumzudiskutieren, und sie fliegen auch wieder zurück, und sie halten sich an ein Gesetz, an ein natürliches Gesetz. Das heißt, auch das ist möglich, und ich erkenne, dass Zugvögel recht friedlich leben, seit vielen tausend Jahren, ohne Demokratie.“ (6)
Hierbei ist zu betonen, dass Jebsen keine Kritik an der mangelhaften Umsetzung der Demokratie formuliert, dass er nicht den bisweilen albernen und apolitischen bürgerlichen Parlamentarismus angreift, sondern den demokratischen Gedanken selbst. Ihm stellt Jebsen angeblich natürliche, autoritäre Organisationsformen gegenüber. Was er hier „friedliches Zusammenleben“ nennt, nannten Kaiser Wilhelm und sein Gefolge schlichter, einfach und ehrlicher „Ordnung“. Opposition nach Jebsens Vorstellungen soll ebenso sabotiert werden wie unter jenem, der bekanntlich in dem Moment, in dem es auf Opposition angekommen wäre, „keine Parteien mehr (kannte), sondern nur noch Deutsche“, weil „langes Herumdiskutieren“, wie Ken Jebsen ausführt, des Pickelhaubenträger Wilhelms „Deutsche“ nur von zielstrebigem Handeln abhalte. Wer aber, wenn nicht die Mehrheit, gibt das Ziel vor…? In der Praxis wohl der Manipulator selbst, dessen Manipulation nicht zuletzt darin besteht, jede andere Informationsquelle als sich selbst als Manipulation zu „entlarven“. Es ist schon fast wieder komisch, wie der selbe Ken Jebsen, der sich hier als reaktionärer Antidemokrat profiliert, seinen Anhängern erklärt, es würde „kein neuer Führer“ gebraucht. Und da jubeln sie dann ausnahmsweise einmal richtig.

Wo Antisemitismus und Autoritarismus sind, ist auch der – die deutsche Vergangenheit beschönigende, wenn nicht dreist verfälschende – Geschichtsrevisionismus nicht weit. Auch bei Ken Jebsen nicht. Ein Interview mit dem CDU-Politiker Willy Wimmer gibt Einblick in seine Sicht auf den zweiten Weltkrieg.
Eingeleitet mit der faschistischen Pflichtbemerkung, deutsche Geschichtsbücher seien wertlos, weil „von den Gewinnern geschrieben“, tasten sie sich langsam heran an das, was Ken Jebsen für die „dunkle Seite Amerikas (und) des Kapitalismus“ hält.
Gemeinsam erarbeiten sie ein Bild, wonach Amerika stets „auf allen Seiten engagiert“ sei, auch im zweiten Weltkrieg. So hätte die deutsche Luftwaffe ohne amerikanische Hilfe gar nicht abheben können. Außerdem hätten die USA die Sowjets im Stich gelassen und militärische Ziele, die gegen diese gerichtet waren, absichtlich geschont. Der Unsinn gipfelt in Ken Jebsens Aussage, Amerika habe „Adolf Hitler mit an die Macht gebracht“. Und nicht nur das – auch für den deutschen Neofaschismus nach 1945 sei das amerikanische Militär verantwortlich. Sowohl Ideologie als auch Finanzierung der NPD laufe über gewisse „Kanäle“ aus dem Ausland. Wozu diese antideutsche Verschwörung? Es ist Herr Wimmer, der die Antwort gibt, die Ken Jebsen offensichtlich hören will und die er anschließend tausendfach und sowohl für sich als auch für seine Weltanschauung recht gewinnbringend verbreitet und vermarktet:
„Man hat offensichtlich ein strategisches Interesse daran, dieses Feuer in Deutschland immer zündelbar zu halten.“ Wer ist „man“? Freimaurer, Illuminaten oder Zionisten? Das ist der tendenziell antisemitischen Phantasie des gemeinen Wahnwichtel überlassen.

Eines aber steht fest: Nicht gemeint ist der deutsche Adel, auch das deutsche Kapital nicht, der deutsche Militarismus nicht, das deutsche Kleinbürgertum nicht, die evangelische Kirche nicht. Nicht Hindenburg, nicht Papen, nicht Hugenberg. Gemeint ist auch nicht der Verfassungsschutz. Überhaupt nichts und niemand, das oder der mit der deutschen Nation zu tun hat oder jemals hatte. Sie sind alle ganz schuldlos. Deutschland ist schuldlos. Seit jeher unter dem Einfluss finsterer, fremder Mächte. Und besetzt. (7)
Wie dieses von den USA geknechtete Deutschland in der Lage sein soll, gegen den Willen eben jener USA Südeuropa per Austeritätspolitik zu ruinieren, erklären sie nicht.

Es bleibt dabei: Ken Jebsen steht politisch rechts, so klar, so dreist, dass mensch sich schon wundern muss, wie es Menschen wundern kann, wenn Herr Jebsen – als sei es das Normalste auf der Welt – zum „Marsch auf Berlin“ bläst (8). Nun ist mir der Mann selbst nicht besonders wichtig. Er hat sich entschieden, sein Geld mit rechtsesoterischen Lügengeschichten zu verdienen, und in dieser Funktion kann mensch ihn anständig bekämpfen. Wichtig allerdings ist mir dieses: Dass seine Lügengeschichten in der politischen Linken keine Rolle spielen. Ein Aufruf zu einem „humanistischen Grundkonsens“ wird zur Farce, wenn seine Unterschrift darunter steht (9). Ich hatte gedacht, gehofft, dies sei bereits Konsens in der Linken, eine Selbstverständlichkeit.

Quellen:
1. http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/judenhass-bei-friedensparty
2. https://www.youtube.com/watch?v=uHFlTe0qOIg
3. https://www.youtube.com/watch?v=uLXlVuhwn2I
4. https://www.youtube.com/watch?v=obRr4qoGHvk
5. https://www.youtube.com/watch?v=24AwvpTNp8g
6. http://exportabel.wordpress.com/2014/05/08/ken-jebsen-scheiss-demokratie/
7. https://www.youtube.com/watch?v=8B1sctKCvxI
8. https://www.facebook.com/GegenDieAlternativeFuerDeutschland/posts/527956730642727
9. http://pedram-shahyar.org/2014/05/fur-einen-humanistischen-grundkonsens.html

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5 Gedanken zu “Die Verwichtelung der Linken

  1. Tim schreibt:

    Naja, zuerst: Ich war noch auf keiner Mahnwache oder bin irgendwie damit verbunden. Ich kann Dich teilweise verstehen und sehe es ähnlich. „…Ken Jebsen. Er ist geschickter Propagandist, leicht wahnsinnig anmutender Agitator,…“ sehe ich genauso! Und genau deshalb schaue ich mir so gerne sein Beiträge und Interviews an. Ob das die besten Eigenschaften für eine Friedenbewegung und oder poitische Bewegung sind? Das bezweifele ich sehr! Das Problem bei Ken Jepsen ist es, dass er sehr unflexibel in seiner Meinung und Denkweise ist. Sein Weltbild, gestützt durch viele Fakten und Fußnoten, ist relativ unverückbar. Die, an sich stimmigen Fakten, werden zusammengeführt und erklärt. Es wird probiert die Hintergründe und das große Ganze zu verstehen. Nun, das finde ich an sich nicht schlimm, sondern gut, es muss ja nicht meine Meinung sein. Was Du machst, ist nicht anderes als was Ken Jepsen macht! Genauso festgelegt, rechthaberisch und arrogant… bis auf die Tatsache, dass Deine Fakten teilweise nicht stimmen und oder verdreht sind. Und das finde ich dann nicht mehr so gut!
    -ich habe schon einiges von Jepsen gesehen, da ist viel linkes, viel liberales, aber ganz wenig rechtes! Wie kannst Du ihn so eindeutig als Rechten einordnen?
    -Anti-Semiten, Anti-Zionisten. Es gibt in Israel und unter Juden weltweit viele Anti-zionisten, die sich auch wiederum nicht in rechts und links aufteilen lassen. Es hat nichts mit „Nazi-Judenhass“ zu tun! Auch wenn sich dieses Klientel immer wieder gerne dieser Argumentation bedient.
    -Die vermeintlich antisemitischen Äusserungen von Ken Jepsen, sind längst geklärt, und waren ein aufgeblasener Popanz von Broder. Jepsen hat gesagt, Goebbels hat sich mit seiner Propaganda Maschine stark an dem Buch Propaganda von Bernays orientiert. Jeder sollte eigentlich mal dieses Buch lesen, um nicht selbst Opfer von Propaganda zu werden.
    -Demokratie an sich löst auch keine Probleme! Demokratie hat uns ins 3. Reich geführt! Demokratisch ist schon viel Unrecht in der Geschichte an Minderheiten begründet worden. Insofern kann man das einzeln stehen lassen, ohne dass es impliziert die Demokratie abschaffen zu wollen.
    -Tja, die Amerikaner und die Geschichte. Selbstverständlich sind die Nazis von aussen finanziert worden. Sowohl von Geschäftsleuten aus den USA als auch aus England. Teilweise gab es auch viel Sympathie in Eliten und Regierungskreisen für den Judenhass der Nazis. Das war damals ein Teil des Zeitgeistes und hat sich nicht nur in Deutschland konzentriert. Das mindert aber doch in keinster Weise die deutsche Schuld und Verantwortung? Auch wenn es immer gerne von Rechten-Kreisen so versucht wird. Deswegen ändern sich aber doch nicht die Fakten?

    Ich belasse es jetzt mal hierbei. Generell bedienst Du dich ählicher Mechanismen, Vorurteilen, Bildern, und unzulässiger Verknüpfungen und Schlussfolgerungen, die genau Deinen Hauptvorwurf gegen Jepsen darstellen. Vielleicht einfach mal darüber nachdenken! Nicht persönlich nehmen und schönen Gruß! Werde ab jetzt mal öfters bei Dir vorbeischauen… 😉

    • „Sein Weltbild, gestützt durch viele Fakten und Fußnoten, ist relativ unverückbar.“
      Ganz ehrlich: Meiner Meinung setzt er einfach hinter jeden zweiten Satz einen Link, um glaubwürdiger zu wirken. „Bewiesen“ wird immer, was der politisch vorgebildete Leser bereits wusste, um dann hanebüchene Schlussfolgerungen anstellen zu können.

      „Es wird probiert die Hintergründe und das große Ganze zu verstehen.“
      Nur Merkwürdig, dass am Ende immer Israel, die USA und die Zionisten schuld sind…

      „Was Du machst, ist nicht anderes als was Ken Jepsen macht! Genauso festgelegt, rechthaberisch und arrogant…“
      Ja, so wirken meine Texte immer auf politische Gegner. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist… 😉 Jedenfalls ist meine Kritik an Jebsen nicht, dass er „festgelegt, rechthaberisch und arrogant“ sei, sondern dass er Köpfe mit rechtem Gedankengut vergiftet.

      „bis auf die Tatsache, dass Deine Fakten teilweise nicht stimmen und oder verdreht sind.“
      Beispiel? Begründung?

      „Wie kannst Du ihn so eindeutig als Rechten einordnen?“
      Eben davon handelt der Text… -.-

      „Es hat nichts mit “Nazi-Judenhass” zu tun!“
      Doch. Wenn Deutsche „Israelkritik“ und „Antizionismus“ predigen, ist das häufig latent oder bewusst antisemitisch und geschieht immer (!) zum Nachteil jüdischer Menschen, deren Staat – eine historische Notwendigkeit, die sich aus der Shoa ableitet – vollständig delegitimiert wird. Lies dir einfach einmal kritisch die Kommentare auf Gregor Gysis FB-Seite zum Thema Nahostkonflikt durch, dann weißt du, wie Antisemitismus heute aussieht.

      „Die vermeintlich antisemitischen Äusserungen von Ken Jepsen, sind längst geklärt, und waren ein aufgeblasener Popanz von Broder.“
      Diese Geschichte habe ich gar nicht angeführt, sondern das erst danach produzierte Video Jebsens mit dem Titel „Zionistischer Rassismus“, ein lupenrein antisemitisches Machwerk, und nach wie vor im Internet abrufbar.

      „Demokratisch ist schon viel Unrecht in der Geschichte an Minderheiten begründet worden.“
      Richtig! Dies wäre eine linke Kritik an der bürgerlichen Demokratie. (Lesetipp: Repressive Toleranz von Herbert Marcuse)
      Jebsens Kritik allerdings kommt klar von rechts, denn er predigt ganz offen autoritäre Organisationsformen. Und der autoritäre Herrscher begeht Verbrechen gegen die Untertanen natürlich einfacher und häufiger als die Mehrheit gegen die Minderheit.

      Natürlich gab es im Ausland Sympathien für die Nazis. Aber ihr Geld haben sie zu einem übergroßen Anteil von 1. deutschen Beitragszahlern und 2. deutschen Unternehmern bekommen. Er betrachtet die „Fakten“ extrem selektiv, falls es sich überhaupt um Fakten handelt, um dann eine Äußerung treffen zu können, die klar Geschichte verfälscht und zu der ihm jeder AfD-Anhänger und die meisten Neonazis gratulieren würden.

  2. Tim schreibt:

    Ich habe mir noch mal ein paar Sachen angeschaut in Bezug auf „Judenhass“. Es wird wirklich nicht klar was der Unterschied zwischen Zionisten, Semiten und Anti-Semiten ist. Teilweise wird bewusst mit diesen „Bildern“ gespielt, besonders wenn man bedenkt man hat eine deutsche Zuhöhrerschaft hat ist da bedenklich. Ich empfehle allen mal das Viedo zu dem Unterscheid! https://www.youtube.com/watch?v=S55sW09WXg4

  3. Norbert schreibt:

    Danke für deinen Artikel! Hoffe es hilft einige Linke aufzuklären. Einige Anmerkungen von mir, wobei ich mich stärker auf die radikal-antidemokratische Gesinnung konzentriert habe – und zwar nicht nur von Jebsen, sondern auch Mährholz und Popp. Übrigens wäre aufschlussreich wenn Mährzholz seine „Quellen“ im Internet offenlegen würde die ihn dieses Jahr „erleuchtet“ haben – das würde einiges erklären.

    2:40 „echte Mitbestimmung ist nicht erwünscht sondern wird über Wahlen konsequent verhindert, denn nur wenn die Massen in Parteien gespalten sind, sind sie beherrschbar“
    „Wahlen sind Teil einer Massenverblödung und haben den Effekt einer Vollnarkose“
    Kommentar: Sich an den Wahlen zu beteiligen ist für eine funktionierende Demokratie nicht ausreichend, das ist richtig. Aber sind Wahlen deswegen automatisch schädlich? Wäre es besser wenn die Massen nicht in Parteien gespalten wären? Wäre es besser wenn es verboten wäre eine Partei zu gründen, ihr beizutreten und als Mitglied Einfluss auf den künftigen Kurs zu nehmen?
    Übrigens argumentiert Lars Mährzholz ähnlich:

    „erst nach 1790, nach der Gründung der ersten Zentralbank in USA es die ersten Parteien gab – …das Zentralbanksystem war der erste Auslöser für die [- aus seiner Sicht verheerende – ] Gründung von Parteien“
    Für einen objektiver Beobachter sind das Indizien, dass Jebsen/Mährholz die pluralistische Parteien-Demokratie aus Überzeugung ablehnen. Denn eine berechtige Kritik an den Missständen sind sie gerade nicht (zu wenig innereparteiliche Demokratie, zu großer Einfluss von Großsspenderne, von Lobbyistene, der Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft um später abzusahnen – wie Niebel, Gas-Gerd, Auto-Klaeden usw.). Konstruktive Verbesserungsvorschläge macht er auch nicht – dabei gibt es Dutzende davon.

    1:22:50 Ken Jebsen lehnt „langes rumdiskutieren“ als unvereinbar mit „natürlichem Gesetz“ ab!

    „Demokratie löst nicht alle Probleme…es gibt auch andere Möglichkeiten, und da orientiere ich mich auch an der Natur. Stellt euch mal vor Zugvögel würden die Reise nach Afrika demokratisch organisieren. Die kämen nur bis Sylt. Und dann wärs vorbei, dann würde sie der Winter auf Sylt einholen. Die Vögel fliegen nach Afrika ohne lange rumzudiskutieren und sie fliegen auch wieder zurück – und sie halten sich an ein Gesetz, an ein natürliches Gesetz, d.h. auch das ist möglich – und ich erkenne dass Zugvögel recht friedlich leben – Ohne (deutliche Betonung) Demokratie. Orientier dich doch mal an der Natur und versuche nicht die Natur zu verbessern. Wir versuchen eine Herrschaftsform aufzustellen die bessere ist als die in der Natur“
    Analyse: „künstliche“ Demokratie ist auf langes „rumdiskutieren“ angewiesen  schlecht und zu langsam.
    „Natürliche“ Herrschaftsform: autoritäre/hierarchische Organisation im Tierreich, „funktioniert“ seit tausenden Jahren, Tiere halten sich an ein „natürliches“ Gesetz – die Menschen sollten sich auch daran richten!
    Frage: Was heißt das konkret? Wie soll denn unsere Gesellschaft konkret aussehen wenn wir uns mehr an Natur und Zugvögel orientieren?
    Wie die „ideale Herrschaftform“ aussehen sollte erläutert ein anderer prominenter Protagonist im Umfeld von Lars Mährholz:

    Andreas Popp – ein Demagoge auf den „Mahnwachen“ – lehnt ganz explizit Demokratie als Herrschaftsform/Diktatur des Pöbels kategorisch ab. Er fordert den Verbot von Parteien und die Diktatur durch einige wenige Intelligenzbestien die das Volk zum Wohle aller führen sollen. Sarrazzin und Herr Adam von der AfD lassen grüßen, wobei sie weitaus weniger radikal sind als der „Menschenfreund“ Popp.
    http://www.welt.de/print-welt/article159946/Wer-soll-waehlen.html
    Lob und Anerkennung für die Linke, dass sie sich von diesen Rechtspopulisten kategorisch distanziert haben! Anmerkung an die Linke die solchen Demagogen noch zujubeln, bitte folgendes Video unvoreingenommen anschauen, v.a. ab min 5-30.
    Die eingefleischten Ideologen will ich übrigens gar nicht „bekehren“, will nur aufklären:

    10:35 „Die Mehrheit ist nicht mit dem Abstraktionsvermögen ausgestattet nachhaltig denken zu können…die nachhaltigen Denker die machen eine ganz ganz kleine Gruppe aus….90% machen die dumpfe, stumpfe Masse aus, das sind 90% der Wähler!“

    14:30 Steuerzahlungen sind in einer „wahren“ d.h. Demokratie nach ur-griechischem Vorbild unzulässig, Politiker sollten – wie in der Antike – gemeinnützig arbeiten.
    Analyse/Konsequenz: Popp fordert ganz offen
    a) Rückkehr zum Nachtwächterstaat da Steuern/Sozialleistungen unzulässig sind – jeder soll selbst schauen wo er bleibt und sich über freiwillige Spenden der Wohlhabenden freuen
    b) wenn Politiker künftig nur noch gemeinnützig, d.h. unentgeltlich arbeiten (klingt erstmal positiv), dann können nur noch die Super-Reichen es sich leisten in der Politik tätig zu sein – wie in den „guten alten Zeiten“, d.h. in der Antike

    21:10 Popp referiert über „gesunde germanische Führer“ und unserer Ochlokratie (=Pöbelherrschaft); Sein Ideal: eine Oligarchie der Intelligenten und Reichen

    22:50 „wir haben durch die Parteien eine charakterliche Negativauslese“
    Analyse: Stimmt z.T. schon, aber was ist die Alternative? Außerdem gibt es diese Negativauslese potentiell in allen größeren Organisationen.
    24:10 Popp lobt die Wahlmänner in den USA als vorbildliche Führer ihrer Region, da sie verhindern dass das dumme Volk (Pöbel) die Entscheidungen alleine fällt ….da hier die gaußsche Verteilungskurve sehr stark zuschlagen würde…danach geht die allgemeine Hetze gegen Parteien weiter
    26:50 „Massen-„demokratie“ führt zur vollkommenen Verkommenheit“
    Fazit: Andreas Popp entpuppt sich als radikaler Ultra-Neo-liberaler der sich „ur-griechische“ Verhältnisse zurückwünscht. D.h. die Herrschaft einer kleinen intelligenten und reichen Elite. Zur Erinnerung: Diese kleine antike griechische – angeblich so intelligente – Elite der griechischen Stadtstaaten hat unzählige jahrelange (Bürger-)Kriege vom Zaun gebrochen und konnte sich nur „ehrenamtlich“ als Politiker engagieren, da unzählige Sklaven für sein Auskommen garantierten.
    Wer Andreas Popp, Jebsen oder Mährholz als Linker zujubelt handelt wie ein Schaaf der seinem Schlächter blindlings hinterherläuft.

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